Behandlung · 09

Wurzelkanalbehandlung

Eine Wurzelkanalbehandlung soll einen natürlichen Zahn erhalten, dessen Pulpa infiziert oder irreversibel geschädigt ist.

Bei unbehandelter, fortschreitender Karies können Mikroorganismen die Pulpa im Zahninneren erreichen, die Blutgefäße und Nerven enthält. In diesem Gewebe kann eine Entzündung entstehen; im fortgeschrittenen Stadium kann die Pulpa ihre Vitalität verlieren. Werden abgestorbene oder infizierte Gewebe nicht behandelt, können sich um die Wurzelspitze Entzündungen und Abszesse bilden. Nicht jede Karies schreitet gleich schnell fort, und nicht jeder Zahn zeigt dieselben Symptome. Deshalb stützt sich die Beurteilung nicht allein auf Schmerzen, sondern auch auf Untersuchungsbefunde und erforderliche Bildgebung. Zahninfektionen können sich in manchen Fällen auf umliegende Gewebe ausbreiten und die allgemeine Gesundheit beeinträchtigen. Besonders bei immungeschwächten Menschen ist eine Beurteilung wichtig. Fieber, zunehmende Gesichtsschwellung, deutliche Einschränkung der Mundöffnung oder Schluck- beziehungsweise Atembeschwerden erfordern unverzüglich eine medizinische Notfallbeurteilung. Die pauschale Aussage, jede Zahninfektion bedrohe ständig sämtliche Organe, ist jedoch nicht richtig.

Die Pulpa kann nicht nur durch Karies geschädigt werden; auch ein Schlag oder eine Verletzung des Zahns kann Blutgefäße und Nerven schädigen. Eine gestörte Durchblutung kann dazu führen, dass der Zahn mit der Zeit seine Vitalität verliert. Reaktionen auf Kälte und Wärme sind unterschiedlich: Manche Zähne verursachen keine Schmerzen, andere entwickeln Empfindlichkeit oder Farbveränderungen. Diese Symptome allein erlauben keine Diagnose. Antibiotika werden bei bestimmten Infektionen nach zahnärztlicher Beurteilung verordnet; sie ersetzen weder eine Wurzelkanalbehandlung noch eine erforderliche Drainage zur Beseitigung des Problems im Zahninneren. Bei verzögerter Behandlung können Veränderungen am Knochen um die Wurzelspitze entstehen. Nach einem Trauma wird der Zahn durch Untersuchung, Vitalitätstests und geeignete Bildgebung beurteilt und bei Bedarf in entsprechenden Abständen kontrolliert.

Unabhängig von der Ursache muss ein schmerzender Zahn oder ein Zahn mit Infektionszeichen untersucht werden. Eine Besserung durch Schmerzmittel bedeutet nicht, dass das Problem behoben ist. Antibiotika oder andere Medikamente sollten nicht eigenständig eingenommen werden. Eine verzögerte Behandlung kann die verfügbaren Möglichkeiten und die Aussicht auf Zahnerhalt beeinflussen.

Bei der Wurzelkanalbehandlung wird entzündetes oder infiziertes Pulpagewebe entfernt. Anschließend werden die Wurzelkanäle mit mechanischen Instrumenten und geeigneten Spüllösungen gereinigt und aufbereitet und mit passenden Materialien gefüllt. Der sichtbare Teil des Zahns wird mit einer dicht abschließenden Restauration versorgt; dieser Schritt ist für den langfristigen Behandlungserfolg wichtig.

1. Was ist eine Wurzelkanalbehandlung mit rotierenden Instrumenten?

Bei einer Wurzelkanalbehandlung können Handinstrumente sowie motorbetriebene rotierende oder reziproke Systeme eingesetzt werden. Je nach Kanalanatomie lassen sich diese Methoden kombinieren.

a. Die in diesen Systemen verwendeten Feilen unterstützen die Aufbereitung der Kanäle. Die Reinigung erfolgt nicht nur mit Feilen, sondern auch mit geeigneten Spüllösungen. Die Kanalanatomie beeinflusst den Umfang des Eingriffs.

b. Manche Motoren verfügen über Drehmomentkontrolle und automatische Rücklauffunktionen. Diese helfen, die Belastung des Instruments zu steuern, beseitigen jedoch das Risiko eines Feilenbruchs im Kanal nicht vollständig.

c. Flexible Feilen aus Nickel-Titan können zur Aufbereitung gekrümmter Kanäle eingesetzt werden. Handinstrumente können in verschiedenen Behandlungsphasen ebenfalls erforderlich sein. Dauer und Zahl der Termine hängen nicht allein von der verwendeten Feile ab, sondern auch von Kanalanatomie, Infektion und Behandlungsumfang.

d. Elektronische Geräte, sogenannte Apex-Lokatoren, helfen bei der Bestimmung der Arbeitslänge. Die Messungen werden zusammen mit der klinischen Beurteilung und bei Bedarf mit Röntgenaufnahmen interpretiert. Eine geeignete Aufbereitungslänge ist wichtig; der Geräteeinsatz allein garantiert jedoch nicht, dass eine Füllung weder zu kurz ist noch über die Wurzelspitze hinausreicht.

2. Treten während oder nach der Wurzelkanalbehandlung Schmerzen auf?

Die Wurzelkanalbehandlung wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt, um Schmerzen während des Eingriffs zu kontrollieren. Die Wirkung kann je nach Person und Entzündungszustand des Zahns variieren. Manchmal sind zusätzliche Betäubung oder andere Maßnahmen erforderlich. Schmerzen während der Behandlung sollten dem Zahnarzt mitgeteilt werden. Danach können vorübergehende Empfindlichkeit und Beschwerden beim Kauen auftreten. Dies liegt nicht ausschließlich an einer unvollständigen Entfernung des Nervengewebes beim ersten Termin; auch Entzündungen um die Wurzel und die Gewebereaktion auf den Eingriff können beitragen. Medikamente zur Schmerzkontrolle werden individuell ausgewählt. Zunehmende Schmerzen oder Schwellungen erfordern eine erneute Untersuchung.

3. Wie lange dauert eine Wurzelkanalbehandlung und wie viele Termine sind erforderlich?

Manche Zähne können in einem Termin behandelt werden. Aufgrund von Zahl und Anatomie der Kanäle, einer Infektion oder der Erneuerung einer früheren Behandlung können zwei oder drei Termine notwendig sein. Bei Bedarf wird zwischen den Terminen eine medikamentöse Einlage in die Kanäle eingebracht und der Zahn provisorisch verschlossen. Der Einsatz dieser Medikamente und die Wartezeit richten sich nach den Untersuchungsbefunden.

4. Wie wird der Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung beurteilt?

Ein hundertprozentiger Erfolg lässt sich bei einer Wurzelkanalbehandlung nicht garantieren. Einfluss haben unter anderem Kanalanatomie, Ausmaß der Infektion, Risse, verbleibende Zahnsubstanz und Zustand der abschließenden Restauration. Klinische und radiologische Nachkontrollen sind notwendig. Eine erste Kontrolle kann etwa nach sechs Monaten geplant werden; das Intervall hängt vom Zustand des Zahns ab. Schmerzfreiheit bedeutet nicht immer vollständige Heilung. Probleme nach Monaten oder Jahren lassen sich nicht allein durch eine fehlerhafte Behandlung erklären; neue Karies oder Undichtigkeiten der Restauration können ebenfalls Ursachen sein.

5. Muss ein bereits wurzelbehandelter Zahn mit neuen Problemen immer entfernt werden?

Eine Entfernung ist nicht immer erforderlich. Nach Beurteilung der Erhaltungsfähigkeit können eine erneute Wurzelkanalbehandlung oder in geeigneten Fällen eine Wurzelspitzenresektion erwogen werden. Die Entscheidung hängt von Rissen, Substanzverlust und dem Zustand der umliegenden Gewebe ab.

6. Warum kann ein wurzelbehandelter Zahn während eines Flugs schmerzen?

Druckveränderungen auf Reisen können bereits bestehende Probleme im Zahn oder im umliegenden Gewebe durch Schmerzen bemerkbar machen. Dies lässt sich nicht allein durch eingeschlossene Luft im Kanal oder eine unvollständige Füllung erklären. Zahn und vorhandene Restauration müssen untersucht werden. Ob eine erneute Wurzelkanalbehandlung notwendig ist, wird nach Untersuchung und Bildgebung entschieden.